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Ein Hauch von Renaissance

Projektchor des Sängerkreises Hersbruck gastiert im Festsaal des Tetzelschlosses in Kirchensittenbach.

Zu einem ganz besonderen Konzert mit Werken aus der Renaissance hatt der Kreischorleiter Thomas Witschel nach Kirchensittenbach eingeladen. Der voll besetzte restaurierte Festsaal bot den angemessenen Rahmen für eine Darbietung voller kleiner Kostbarkeiten aus dem Europa des 16. Jahrhunderts.

Zur Einführung erläuterte Erich Pörner vom Förderverein Kunst, Kultur und Bildung im Tetzelschloss die wechselvolle Vergangenheit des Veranstaltungsortes. Dieser wurde tatsächlich, nachdem das ursprüngliche Wasserschloss geplündert und niedergebrannt worden war, in der Renaissance (zwischen 1590 und 1595) im Auftrag von Jobst Friedrich von Tetzel in seiner heutigen Form errichtet – der perfekte Rahmen für ein Chorkonzert mit Madrigalen aus der Renaissance also.

Das Madrigal ist die bekannteste Liedform dieser Zeit. Auch wenn damals die wesentlichen Weichen für die Musik noch im kirchlichen Bereich gestellt wurden, war das mehrstimmige weltliche Lied bereits fest in den Chören verankert. Eine Besonderheit für die damalige Zeit war auch, dass das Madrigal nicht auf Latein gesungen wurde, sondern in der jeweiligen Landessprache. Dabei standen neben Motiven aus dem täglichen Leben die bis heute beliebtesten Liedthemen auch im 15. Und 16. Jahrhundert bereits im Vordergrund: die Liebe und das Herzeleid.

Der Chor interpretierte unter anderem Werke von Hans Leo Hassler, John Dowland und Orlando di Lasso. Chorleiter Thomas Witschel erläuterte dabei anschaulich Herkunft und Werdegang der einzelnen Komponisten, die damals schon grenzübergreifend in ganz Europa an den unterschiedlichen Fürstenhöfen gewirkt haben.

Den latenten kirchlichen Einfluss bemerkte man am deutlichsten bei dem Lied „Wheep, O Mine Eyes“ von John Bennet, das einen stark ergreifenden sakralen Charakter ausstrahlt, obwohl es doch ein eher weltliches Leiden thematisiert. Auch deftigere Themen nannte man früher musikalisch beim Namen, das bewies das lustige und sehr lautmalerische „Il est bel e bon“ des Franzosen Pierre Passereau, in dem eine untreue Ehefrau ihren fleißigen Gatten rühmt, der ihr in Haus und Hof so viel Arbeit abnimmt, dass sie sich anderweitig vergnügen kann.

Der Chor verwandelte die schwierigen Stücke mit sichtlichem Vergnügen in mal ergreifende, mal mitreißende Miniaturen, die das Zuhören zu einer Freude machten. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Förderverein Kunst, Kultur und Bildung im Tetzelschloss.

Text und Foto: Susanne Baderschneider